Das "Jüdische Boot"

Das "Jüdische Boot" ist das Ergebnis einer Entwicklungsgeschichte, ausgehend vom ersten Freegaza-Boot 2008 und dem Vorhaben einer Jubiläumsfahrt im darauffolgenden Jahr. Aus dem Vorhaben wurde nichts. Im gleichen Jahr rief Norman Finkelstein weltweit zum "Gazafreedommarch" auf. Nach Streitigkeiten um politische Statements sprangen viele der jüdischen Teilnehmer ab. "What about a Jewish Boat?", der Gedanke war geboren und ein Schiff stand kaufbereit in einem deutschen Hafen. Doch dieses Schiff sollte es nicht sein - andere Käufer waren uns zuvorgekommen.Wer ist uns? Zunächst griff Dr. Kate Katzenstein-Leiterer die Idee von mir auf und erwärmte die "Jüdische Stimme", deren Mitglied sie war, für unser Vorhaben. Kate warb zudem in der Dachorganisation EJJP (European Jews for a Just Peace), bei Medien und in Schulen für unsere Initiative.

   

 Bis zum Start der Reise im September 2010 wurden noch mehrere Boote angesehen - in Italien, Slowenien - und sie wurden, je mehr sich Europa von der damaligen Wirtschaftskrise erholte,  immer teurer und darum für uns immer kleiner.

Ein Kapitän war nach langer Suche gefunden worden: Glyn Secker von JfJfP hatte sich für die Mission angeboten.

Links: die startbereite Nauticat, ein sehr seetüchtiges Segelboot mit Platz für 14-16 Personen.

Als im Mai 2010 die tödlichen Schüsse auf der Mavi Marmara fielen, wurde die Kreditzusage eines Bankunternehmens zurückgenommen, und die bei der Jüdischen Stimme eingegangene Spendensumme und selbst eine großzügige Spende der Schweizer Freunde Anjuska und Jochi Weil-Goldstein reichten nicht, um den Kauf des startklaren Bootes zu finanzieren. Der Kauf musste sich auf einen kleinen, nicht sehr seetüchtigen Katamaran beschränken. Den Kauf wie auch den größten Teil der weiteren Organisation übernahm die englische Gruppe Jews for Justice for Palestinians, JfJfP. Sie taufte das Schiff auf den Namen Irene.

 

Die zehn Personen, die auf dem Boot Platz fanden, trafen sich wenige Tage vor der Abreise mit Vorstandsmitgliedern von JfJfP  in Famagusta, Cypern. Neun Passagiere nahmen am 27.September 2010 die Fahrt nach Gaza auf. Von li nach re: Lillian Rosengarten (USA), Edith Lutz (D), Itamar Schapira (Isr), Reuven Moskovitz (Isr), Glyn Secker (GB) Rami Elhanan (Isr), Yonatan Schapira (Isr). Nicht im Bild zwei Reporter (GB, Isr)

 Video von der Abreise (AFP)

 

 

 

Über hundert internationale jüdische Interesenten hatten sich für eine Überfahrt gemeldet. 84 entschlossen sich, symbolisch - mit ihrem Namen auf einer Friedensfahne - mitzureisen. Beschriftet und aufgenäht wurden sie von Helferinnen in Deutschland. Hier links beim Aufziehen mit Glyn.

Eine Foto-Collage des Bootes mit den Friedensfahnen wurde ein Jahr später nach Gaza gebracht > Vik to Gaza.

 

Das Boot wurde von acht Kriegsschiffen  (anders als in manchen Medien wiedergegeben, nämlich gewaltsam) aufgebracht und nach Aschkelon geschleppt. Über die Erlebnisse auf dem Boot und im israelischen Gefängnis berichtet ein Tagebuch, das an unterschiedlichen Stationen geschrieben wurde: begonnen im Gefängnis, fortgeführt bei der Abschiebung im Flugzeug und an zwei Erholungsorten (s.w.u., Berichte von Beteiligten).Das Medienecho in Israel war groß (allein beim Rückflug mit ELAL konnte ich 4x in den Nachrichten unsere Aktion verfolgen). Eine lange Liste von internationaler Medienaufmerksamkeit ist in der ausführlichen Berichterstattung bei JfJfP einzusehen. Das Interesse deutschsprachiger Medien war in der Vorbereitungszeit groß Vertreter der bekanntesten Medien ließen sich in die Passagierliste eintragen , doch nach dem Ausgang der Segelaktion fehlte eine angemessene Berichterstattung. Einige Links zu Berichten w.u.

Hier ein paar Impressionen von der Seereise:

   Yonatan und Rami mit Eli Osherov -Chanel 10
 Besprechung mit Reuven, Glyn und Lillian  Reuven und Glyn

 

Unterwegs nach Gaza - Ein Tagebuch -Sailing to Gaza - boat diary

Bericht Reuven Moskovitz

Bericht Yonatan und Itamar Shapira

Interview Itamar Shapira (Video)

 

- Deutsche Juden schicken ein Schiff nach Gaza, Süddeutsche

- Ein europäisch-jüdisches Schiff für Gaza, Deutsche Welle

- Israel stoppt Schiff jüdischer Aktivisten, Tagesspiegel

- Auf dem Weg nach Gaza, Berliner Morgenpost

- Eine friedliche Mission, Jüdische Allgemeine

- Ein Schiff für Gaza, Publik-Forum

- "Irene" bringt die Hoffnung. Jüdisches Schiff Richtung Gaza, ntv

- Israelische Marine stoppt jüdisches Aktivisten-Boot, Domradio

- Jüdisches Gaza-Boot, Georg Meggle in Telepolis

- Botschaft der Solidarität - Neuerliches Hilfsschiff für Gaza gestoppt, AG Friedensforschung

 

Das nächste Jüdische Boot heißt Pessach - Glyn Secker, Edith Lutz und Reuven Moskovitz in Berlin, 2014.

 

 Reuven Moskovitz, 82-jähriger Passagier,sichrono livracha (sein Gedenken zum Segen)                           ©JfJfP

Kate Katzenstein-Leiterer, Organisatorin, sichrona livracha (ihr Gedenken zum Segen)

جمعية يهود أوروبيون لأجل سلام عادل: ننشد السلام من خلال رحلتنا الى غزة |  سياسة واقتصاد | تحليلات معمقة بمنظور أوسع من DW | DW | 28.09.2010©DW

"1967 mußte ich in Ramallah als Soldat erleben, wie unsere Armee palästinensische Kinder drangsalierte - so etwas hatte ich ja in Rumänien am eigenen Leib erlebt. Ich kümmerte mich um einige dieser  Kinder und  gab ihnen von meiner Lebensmittelration ab. Dafür schenkten sie mir eine Mundharmonika, auf der ich heute noch bei vielen Gelegenheiten spiele: Palästinensische, israelische oder auch traditionelle jüdische Friedenslieder."

"Obwohl ich durch und durch säkular bin, stehe ich in der Tradition des Judentums, die u.a. besagt, daß nicht derjenige ein Held ist, der tötet, sondern derjenige, der alles daran setzt, seinen Feind zum Freund zu machen. Das »Jüdische Boot« ist ganz in diesem Sinne, ich verstehe es als ein Mittel dazu."

(Reuven Moskowitz in einem Interview mit Sophia Deeg, Junge Welt, 28.9.2010)

"The whole blockade, the whole siege of Gaza is illegal. It is against international law and human rights."

"We as Jews are saying, 'not in our name'. We want to show that there are Jews in the world that are on the side of these deprived people."

(Haaretz, 17.7.2010)

"Wir wollen den Palästinensern im abgeriegelten Gazastreifen zeigen, dass es auch Juden gibt, die nicht mit Bomben und Gewehren zu ihnen kommen, sondern mit Hilfe!"

(DW, 25.6.2010